Eine Vortragsreihe über das Vaterunser – ein Gebet, das wir seit Kindesbeinen beten und meinen in und auswendig zu kennen – was sollen wir da noch Neues für uns erfahren. Und doch haben sich Gemeindemitglieder der Seelsorgeeinheit Winterbach/Weiler-Schorndorf an drei Abenden aufgemacht, um den Ausführungen von Referentin Rita Bastian-Doo zu lauschen und in Fragen und Diskussionen ihre eigenen Glaubenserfahrungen einzubringen.

So zeigte der erste Abend mit einem Exkurs über die Entstehung der Evangelien den Zuhörern, dass das Vaterunser eine Vorgeschichte in der jüdischen Gebetstradition hat und uns Matthäus und Lukas zwei deutlich unterschiedliche Versionen überliefern: unterschiedlich im Wortlaut und im Umfang, angepasst an das Verständnis der jeweiligen damaligen lokalen Gemeinden, immer in der Intention, die wahre Größe des Inhalts für den Betenden zugänglich zu machen. Gestützt auf dieses Wissen um die Entstehungsgeschichte des Vaterusers behandelten die beiden folgenden Abende die zentralen Begriffe wie Vater, Himmel, Reich, Wunsch, Schuld. Im Licht der damaligen Welt stellten sich die Begriffe für die Teilnehmer noch einmal neu und erweitert dar.

Die Abgrenzung der ersten drei Vaterunser-Wünsche als Wunsch, von den folgenden drei Vaterunser-Bitten als Bitte, war nicht sofort und einfach für alle Zuhörer nachzuvollziehen. Immer wieder zeigte sich den Anwesenden, dass die Übersetzung des griechischen Urtextes in die uns bekannten Worte des Vaterunsers immer auch Interpretation ist und der Deutung bedarf.

Mit eigenen „Vaterunser-Gebeten“ bekannter Theologen gab die Referentin den Zuhörern verschiedentlich Anstöße, das Vaterunser auch einmal anders zu beten und so zu einem tieferen Verständnis des Vaterunsers zu gelangen.

Am Ende wünschten sich die Zuhörer, dass dieser Vortragsreihe weitere folgen mögen, denn eines haben die Abende allemal gezeigt: es gibt einen Bedarf an Austausch im Glauben, auch und gerade in scheinbar so Selbstverständlichem und Vertrautem wie dem Vaterunser.

 

Bruder Jakobus OSB vom Kloster Beuron zu Gast in Winterbach

 

Vortrag - Meditation

 

Früher brachte der Lärm die Menschen aus der Ruhe. Heute ist es die Stille. Nahezu 20 Personen ließen sich vom Benediktinermönch Br. Jakobus, Diplom- Theologe und Meditationslehrer, im Gemeindesaal der katholischen Kirche Winterbach in die Stille führen. Der Vortrag: „Mit Jesus auf dem Weg“ führte hin zur christlichen Schweigemeditation.

 

Die Meditation im christlichen Kontext ist eine Form der Hingabe ohne Worte und  führt zum Ursprung zurück. Es gibt sie in der christlichen Tradition seit Anbeginn. Auch Jesus zog sich zurück in die Stille. In vielen Orden gehört sie heute noch zur täglichen Übung. Leider ist sie durch die manchmal etwas kopflastige Theologie in den Hintergrund geraten. Das Hören auf das „Große Geheimnis“ ist von überaus großer Bedeutung. Der heutige Alltag der Menschen wird bestimmt durch die Hektik. Alles muss schnell gehen, es bleibt kaum Zeit zum Verweilen und Innehalten. Am Meditationstag - beim „Sitzen in der Stille“ -  konnte sie am ganzen Leib erfahren werden. Nach 25 Minuten ertönte ein Gong, der das Ende der ersten Sitzeinheit einläutete, die durch meditatives Schreiten im Raum beendet wurde. Wollten die ersten 25 Minuten der Stille fast nicht enden, wurden die folgenden als immer kürzer erlebt, ja, manchmal sogar zu kurz. Zunächst wirbelten die Gedanken, wie in einem Karussell durch die Köpfe. Durch das „Stille Sitzen“ = Za-Zen, lernten die Meditierenden nach und nach ihre Gedanken nicht zu bekämpfen, sondern sie zuzulassen und wie die Wolken ziehen zu lassen. Der Vergleich mit einem Glas Wasser, indem Partikel gelöst sind, drängt sich auf. Erst wenn man es abstellt, setzt sich alles am Grund ab. Das Wasser wird klarer. Durch das ruhige Sitzen klärt sich auch unser Inneres.

 

Schlussgespräch:

„Die Gedanken: was soll ich hier tun?, was wird erwartet?, schlugen zunächst Purzelbäume. Auch dieses ungewohnte Gefühl nichts zu hören, verflüchtigte sich allmählich. Es ist seltsam soviel Zeit zu haben, nichts tun und denken zu müssen. Ein äußerst bewusst erlebter Tag. Erholsam, so sogar ganz erfrischend. Möchte ich gerne im meinen Alltag aufnehmen. In der Gruppe ist das Üben leichter. Die Gruppe trägt. Die Stille war buchstäblich hörbar, sogar eine ohrenbetäubende Stille. Wie, wann und wo kann ich weiter üben“? waren Äußerungen der Meditierenden beim Schlussgespräch.

 

Die christliche Zen-Meditation / Kontemplation, das Sitzen in der Stille, kann geübt werden:

Einmal monatlich am Donnerstag 19:30 Uhr – 21:00 Uhr im Gemeindezentrum katholischen Kirchengemeinde Mariä Himmelfahrt in Winterbach, Adlerstr. 13.

Die nächsten Termine: 12.April, 17.Mai, 14.Juni, 12.Juli. Willkommen sind alle, die gerne in der Stille sitzen. Da es kein fortlaufender Kurs ist, kann jeder kommen wann er möchte.

 

Info:

Margareta Lang, Winterbach

Meditations- und Kontemplationsbegleiterin

Telefon: 07181 / 98 59 935

www.kontemplation-meditation.de

 

 

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